Vereinsgeschichte
Vereinsgründung
Aufnahme in den Verband aller deutschen Gesellenvereine am 04.05.1882
– Oberhirtliche Genehmigung am 9. Juli 1882 – Dr. Josef Lerzer, erster
Präses.
Der katholische Gesellenverein Allersberg war vor einhundert Jahren
der achte Gesellenverein, der innerhalb des Diözesanverbandes
Eichstätt
gegründet wurde. Der Chronist beginnt die umfangreiche Chronik mit
einem Satz, der nicht weniger als 113 Wörter beinhaltet: „Der
katholische
Gesellenverein Allersberg wurde ins Leben gerufen auf Anregung einiger
strebsamen jungen Leuten, welche eingedenk der vielen Gefahren, die den
Gesellen und Arbeitern heutzutage überall, auch hierorts drohen
und
welche im Gegensatze so vieler anderer, die im Taumel ihrer
Leidenschaften
im Umgange mit schlechten, sittenlosen Kameraden Ehre und guten Namen
und
Zunft und Sitte mit Füßen treten, vielmehr die Reinheit
ihrer
Sitten und wahren Ehre ernstliche bewahren und pflegen wollten und
deshalb
nach gleich gesinnten Jünglingen sich umsahen, um im Vereine mit
ihnen
in gegenseitiger Aufmunterung zum Guten und Edlen desto leichter die
ihnen
drohenden Gefahren vermeiden zu können und anderen durch ihren
ehrbaren
und tugendhaften Wandel ein Beispiel zur Nachahmung zu geben“. Sie
stellten
daher an den derzeitigen Pfarrer, dem Hochwürdigen Herrn Kammerer
Dr. Josef Lerzer die Bitte, die Gründung eines katholischen
Gesellenvereins
ins Werk zu setzen. Damit ist auch bereits Ziel und Zweck der
Vereinsgründung
deutlich umrissen. Nach Beseitigung entgegenstehender Hindernisse und
Entwurf
der Statuten erteilte H. H. Diözesanpräses Dr. phil.
Hergenröther
die Genehmigung zur formellen Vereinsgründung. Am 4. Mai 1882
erhielt
der neue Verein durch Diplom des Zentralpräses der Gesellenvereine
Bayerns, H. H. Georg Mayer, der selber noch gut mit Adolf Kolping
befreundet
war, die Aufnahme in den Verband aller deutschen Gesellenvereine. Am 9.
Juli 1882 folgte schließlich die oberhirtliche Genehmigung und
zugleich
Bestätigung des H. H. Kammerers und Pfarrers Dr. Josef Lerzer als
erster Präses. Als Gründungsmitglieder sind in der Chronik
die
Herren Peter Blab, Josef Fiegl, Johann Fischer, Josef Graf, Georg
Hirscheider,
Franz Inzenhofer, Johann Lachner, Kaspar Mab, Johann Reichmeyer, Josef
Reichmeyer, Jakob Riehl, Sebastian Schlierf, Georg Thumann und Johann
Wirth
vermerkt.
1882 – 1907
Erstes Vereinlokal „Zur goldenen Sonne“ – Fahnen weihe im Jahre
1883
- Dr. Josef Lerzer zum Ehrenpräses ernannt – 1898 eigenes
Vereinshaus
eingeweiht – Pflege des Gesangs und Theaterspiels – 25jähriges
Stiftungsfest
Erster Vereinsvorstand wurde Peter Blab, der Dank seiner Verdienste
am 19. März 1903 zum Ehrenvorstand ernannt wurde. Blab übte
sein
Amt bis zum 6. Januar 1885 aus. In verhältnismäßig
kurzer
Zeit zählte der Verein 23 aktive und 43 Ehrenmitglieder, die vom
echten
Kolpinggeist beseelt, im Vereinslokal „Zur goldenen Sonne“ ihre ersten
Zusammenkünfte abhielten. Unter aktiven Mitgliedern sind in der
Regel
Gesellen, unter Ehrenmitgliedern ehemalige Gesellen, die inzwischen
Meister
oder selbständige Gewerbetreibende geworden sind, zu verstehen.
Anschaffung einer Vereinsfahne
Bereits im Jahre 1883 konnte durch opferfreudiges Spenden die
Vereinsfahne
im Kloster Zell bei Hilpoltstein angefertigt werden, die wegen ihrer
trefflichen
Ausstattung eine wahre Zierde des Vereins ist. Die Fahne
repräsentiert
einen Wert von 220 Mark. Um diese nicht unbedeutenden Kosten
aufzubringen,
steuerten alle Männer, Frauen und besonders die Jungfrauen
Allersberg
freudigts ihr Schärflein bei, so dass schon nach Ablauf eines
Jahres
die neue Fahne vollständig bezahlt werden konnte. Die feierliche
Fahnenweihe
nahm am 27. Juni 1883 Diözesanpräses Dr. phil.
Hergenröther
vor, wobei der Bruderverein aus Neumarkt Patenstelle übernahm.
Außerdem
waren bei dieser erhebenden Feier die Gesellenvereine Beilngries,
Berching,
Hilpoltstein und Schwabach anwesend.
Besonders großen Wert legt man in den folgenden Jahren auf die
Pflege des Theaterspiels und Gesangs. Durch bischöfliches Dekret
wird
am 24.3.1884 Martin Fritsch als neuer Präses bestätigt. Mit
der
beträchtlichen Stärke von 45 Mann einschließlich
Präses
folgte man am 29. Juni 1884 einer Einladung des Gesellenvereins
Schwabach
zu dessen Fahnenweihe. Der erste Vergnügungsausflug
führte
am 7. Juli 1884 in das eine Stunde entfernte Seligenporten, wo man sich
auf dem nahe am Waldsaum gelegenen Keller des dortigen Brauers
trefflich
amüsierte.
Es bahnt sich eine gewisse Gestaltung des Vereinslebens mit besonderen
Höhepunkten im Laufe eines Vereinsjahres an, die wie ein goldener
Faden bis zum heutigen Tag in gleich bleibenden Intervallen
festzustellen
ist. Immer fanden an diesen Tagen ein feierlicher Kirchenzug und
gemeinsame
Kommunion statt. Auch an der Christbaumfeier mit Verlosung und
Versteigerung
hat sich seit Einführung dieses Brauches am 26. Dezember 1884 bis
heute nicht geändert.
Quartiere für durchreisende Gesellen
Ein besonderes Augenmerk wurde auch den durchreisenden Gesellen
gewidmet, die jeweils ein Nachtquartier, ein Glas Bier und Brot vom
Verein
gratis erhielten. Für jede Übernachtung musste der Verein an
den Herbergsvater zwanzig Pfennige bezahlen.
Am 14. Januar 1885 hat man erstmals die traurige Pflicht, ein Mitglied
zur letzten Ruhestätte zu begleiten. Es handelte sich hierbei um
den
Fabrikarbeiter Peter Krauser.
Dr. Josef Lerzer zum Ehrenpräses ernannt.
In der Generalversammlung am 1. März 1885 wird der frühere
Präses Dr. Josef Lerzer zum Ehrenpräses ernannt. Ebenfalls in
dieser Versammlung wird ein Mitglied vom Verein ausgeschlossen. Als
Ausschlussgrund
ist fortgesetzter ärgerlicher Lebenswandel angegeben. Am 19. April
1885 verabschiedet sich Präses Martin Fritsch und Josef Pemsel
wird
sein Nachfolger.
Besonders lustig ging es am 14. Juni 1885 bei einem Ausflug mit zwei
Leiterwägen nach Roth zu. Niedergeschrieben ist ein Stelldichein
mit
den Vereinen Schwabach und Hilpoltstein bei gehobener Stimmung und
heiterem
Himmel. Bei der Rückfahrt hatte man unversehendst drei Mitglieder
sitzen lassen, was den Austritt eines Mitglieds nach sich zog. Vierzehn
Tage später nahmen fünf Mitglieder am 25jähregen
Jubiläum
des Gesellenvereins Eichstätt teil.
Im Januar 1886 wird der Beschluss gefasst, dass beim Tode eines
Mitglieds
eine Messe von Seiten des Vereins gelesen lassen wird und das
alljährliche
Amt am Stiftungsfest für alle verstorbenen Mitglieder gelten soll.
Ein Beschluss, der bis zur heutigen Zeit seine Gültigkeit nicht
verloren
hat. Im Jahre 1888 werden erstmals jeden ersten Sonntag im Monat die
Monatsversammlungen
eingeführt.
Bau eines eigenen Vereinshauses
Immer lauter wurde der Wunsch nach einem eigenen Vereinshaus. So wurde
1898 unter Präses Kornburger ein „Verein zur Begründung und
Bereithaltung
eines katholischen Vereinshauses“, kurz „Hausbauverein“ betitelt,
gegründet
und sogleich mit dem Neubau begonnen. Bereits am 27. November des
gleichen
Jahres konnte Diözesanpräses Durchlaut Philipp Prinz von
Arenberg
am neuen Vereinshaus mit der Hausnummer 69 den Weiheakt vornehmen. Den
Reigen der Vizepräses eröffnet im Jahre 1898 Kooperator Dr.
Martin
Grabmann, der durch seine wissenschaftlichen Leistungen
Weltberühmtheit
erlangte und den es auch später oft noch in dieses traute
Gesellenhaus
hinzog.
Ein Jahr später, am 18. Juni 1899 konnte die am Vereinshaus
angebaute
Kegelbahn zur Benutzung freigegeben werden. Unzählige
Veranstaltungen
sind seinerzeit im neuen Vereinshaus abgehalten worden.
Wöchentliche
Abende der Mitglieder, Monatsversammlungen, Theaterabende,
Wahlversammlungen,
Gesangsstunden, Stenografieunterricht, um nur einige Arten zu nennen,
wobei
der Stenografieunterricht wegen einreißender Verzweiflung der
Teilnehmer
wieder aufgegeben werden musste. Großer Andrang herrschte am 12.
August 1900 beim Preiskegelscheiben, wo nur Mitglieder und
Ehrenmitglieder
zugelassen waren. Laut Kegelordnung kostete jedes Los zwanzig Pfennige
und berechtigte insgesamt zu acht Versuchen. Am dritten Tage des
Preiskegelns
feierte man abends beim Lampionbeleuchtung und der Apotheker spendierte
ein größeres Feuerwerk.
In den nächsten Jahren nahm man an Jubiläumsfeiern in
Beilngries,
Regensburg und Neumarkt. Teil. Die Teilnehmerzahl betrug hier immerhin
immer zwischen zwanzig und dreißig Mitgliedern.
25jähriges Stiftungsfest
Nachdem man das 10jährige Stiftungsfest nur im kleinen Rahmen
feierte – berichtet wird von einem Kirchenzug mit Musikbegleitung -,
wird
das 25jährige Stiftungsfest als eines der größten
Höhepunkte
des bisherigen Vereinslebens bezeichnet. 22 Vereine (u.a.
Eichstätt,
Weißenburg, Roth, Schwabach, Nürnberg, Neumarkt, Freystadt.
Beilngrieß und Hilpoltstein) mit 20 Fahnen waren am 21. Juli 1907
gekommen und der Platz beim Lammswirt und Postkeller konnte die vielen
Leute nicht fassen. Die Festpredigt hielt Professor Dr. Martin
Grabmann,
der im Jahre 1898 als erster Vizepräses in Allersberg tätig
war.
Dr. Ludwig Bruggaier, damals Bischofssekretär zelebrierte das
Hochamt.
1907 – 1932
Der erste Weltkrieg – Vereinssaal wird Arbeitsraum des Roten Kreuzes
und später Kinderschule der Gemeinde – Gründung der DJK –
Eintragung
ins Vereinsregister – Gründliche Restaurierung des Gesellenhauses
– 50. Stiftungsjubiläum
Nach dem großartig verlaufenen Jubiläumsfest stiegen die Mitgliederzahlen weiter an. Bevor jedoch jemand Mitglied werden konnte, musste er sich beim Präses anmelden und wurde an der Aufnahmetafel ausgehängt. Voraussetzung für die Aufnahme war ein ordentlicher Lebenswandel und die jeweilige Teilnahme an den Veranstaltungen. Jedes Mitglied war hier zur Ehre des Vereins verpflichtet, Nachteiliges über einen Aufzunehmenden dem Präses mitzuteilen.
Zahlreiche Veranstaltungen und Jubiläumsfeste
Die nächsten Jahre standen im Zeichen von zahlreichen
Veranstaltungen.
So ist am 2. Februar 1909 ein Lichtbildervortrag von Stadtpfarrer
Gottschalk
aus Altdorf über den Krieg 1870/71 erwähnt. 130 Personen
nahmen
am 10. Oktober des gleichen Jahres an der Generalkommunion teil und
abends
berichtete dann Stadtpfarrer Götz aus Freystadt in einem
dreistündigen
Vortrag über seine Reise nach Palästina.
Im März 1910 erhielt der Verein ein Schreiben vom Bezirksamt,
dass eine Beschwerde des Gastwirts Billmeyer vorliegt, wonach der
Gesellenverein
fast alle Sonn- und Feiertage Theater, Konzerte usw. veranstalte. Das
Bezirksamt
fand jedoch keinen Grund zum Vorgehen.
Acht Mitglieder ließen es sich nicht nehmen, beim 50.
Stiftungsfest
des Gesellenvereins Eichstätt am 16. Mai 1910 anwesend zu sein.
Abfahrt
war früh 4 Uhr und es strömte nur so vom Himmel. Über
Roth
ging es fröhlich der Altmühl zu. Trotz des ungünstigen
Wetters
kam bei den Gesellen keine Missstimmung auf und bereits vier
Wochen
später war man beim 25. Stiftungsfest in Weißenburg erneut
vertreten.
Das Jahr wurde mit einem Silvesterabend abgeschlossen, der dank einer
freiwilligen
Spende von 58 Litern Bier von Herrn Schattenhofer, der ab nächstes
Jahr das Bier liefert, ermöglich wurde. Im Jahre 1911 nahmen die
Gesellen
am 50. Stiftungsfest in Nürnberg (4. Juni) und am 25.
Stiftungsfest
in Roth (11. Juni) teil. Erstmals wird erwähnt, dass die Heimfahrt
mit einem Wagen erfolgte und wieder taucht der Name Schattenhofer als
Wohltäter
auf.
Gründung einer Gesangsabteilung
Neue Vereinsabzeichen wurden im September 1911 zur Ausgabe gebracht
(45 Pfennige). Immer mehr Schwierigkeiten bereitet die Regierung bei
der
Durchführung der Christbaumfeier mit Verlosung und Versteigerung.
Unter großen Ängsten ging erst am Versteigerungstag die
Regierungsgenehmigung
ein. Nachdem man am 23. Juni 1912 mit achtzig Personen beim 25.
Stiftungsfest
des Gesellenvereins Freystadt anwesend war, feierte man das eigene 30.
Stiftungsfest äußerst bescheiden. Eine Einladung fremder
Vereine
erfolgte nicht. Trotzdem darf das abgelaufene Jahr als ein gutes und
erfolgreiches
Jahr angesprochen werden. Einen guten Teil dazu mag die Gründung
der
Gesangsabteilung beigetragen haben („Gott gebe, dass es immer so
bleibe“).
Der erste Weltkrieg
Im Oktober 1913 wurden bei einer scharfen Debatte drei Mitglieder wegen
öffentlichen Eintretens für die Sozialdemokratie durch
Verteilung
von Flugblättern vom Verein ausgeschlossen. Am 7. Juli 1914
scheint
ein schreckliches Gewitter, das eine nachmittägliche Veranstaltung
im Freien anlässlich des 32. Stiftungsfestes in Wasser fallen
lässt,
Vorbedeutung für das Granatenhagelwetter des ersten Weltkrieges
gewesen
zu sein. Am 2. August 1914 (1. Mobilmachungstag) waren wie auf Kommando
die einrückenden Mannschaften von Allersberg und Umgebung, zum
Teil
auch ihre Angehörigen im Saal des Gesellenhauses zum Abschied
versammelt.
Alle, Freund und Feind des Gesellenvereins, auch die Sozialdemokraten
lauschten
hier in patriotischer Begeisterung den zündenden Worten des
Präses
Gustav Debatin. Es war eine Feier der Begeisterung, wie sie wohl das
Vereinshaus
noch nie gesehen hat.
Vereinstätigkeit lahm gelegt
Zwei Tage später wird der Vereinsaal dem Roten Kreuz als
Arbeitsraum
zur Verfügung gestellt. Die Vereinstätigkeit war damit
ziemlich
lahm gelegt. Im Jahre 1917 standen alle Mitglieder unter Waffen. Im
gleichen
Jahr zeiht sich Kooperator Schneeberger eine Jungmannschaft in
Stärke
von 15 Mann heran (Alter 13 – 17 Jahre). Auch am Gesellenverein ging
der
erste Weltkrieg nicht spurlos vorüber. Elf aktive und zwei passive
Mitglieder blieben auf den Schlachtfeldern, darunter drei Söhne
der
damaligen Hausmeisterfamilie Lindner.
Vereinssaal für Kinderschule zur
Verfügung
gestellt
Nach dem Krieg wird der Saal des Gesellenhauses für Kinderschule
der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Kaum hatte man den kalten
Schatten
des Krieges abgelegt, gründete der Verein am 14. Juli 1918 eine
Turnerriege
mit Franz Steibl als Vorturner. In den ersten Nachkriegsmonaten betrug
der Mitgliederstand 25 ordentliche und 119 Ehrenmitglieder. Am 14.
März
1921 wird der Gemeinderat benachrichtigt, dass der Kindergarten nicht
mehr
länger im Vereinshaus untergebracht werden kann. Zum ersten mal
seit
Jahren wird am 19. März 1921 wieder das Fest des Schutzpatrons in
feierlicher Weise als Festtag begangen.
Umwandlung des Vereins geplant
Harte Worte wurden am 24. April 1921 niedergeschrieben. „Es ist von
Seiten der Vorstandschaft beabsichtigt, den Gesellenverein in einen
Gesell-
und Arbeiterverein umzuwandeln, denn nur dadurch glaubt man, den Verein
wieder etwas heben und zu neuer Blüte bringen zu können.
Allerdings
findet diese Vorstellung auf einer Präsidesversammlung der
Diözese
kein rechtes Gehör und wenig Entgegenkommen. Der Gesellenverein
ist
so ziemlich zum Aschenputtel unter den hiesigen Vereinen abgesunken.
Starke
Konkurrenz machen ihm gegenwärtig der Sozialdemokratische
Turnverein
und dessen Ableger und Gegner, die sogenannte freie Spielvereinigung,
die
beide die Pflege des Fußballsports fleißig betreiben und
das
sich auch gerade bei der Jugend großer Beliebtheit erfreut“.
Bereits zwei Monate später gründete der Gesellenverein eine
„Ballspielabteilung“. Als erster Erfolg ist ein Übungsspiel gegen
Hilpoltstein angegeben, das mit 2 : 1 gewonnen wurde. Pater Tustus
Wirth
überreichte spontan zweihundert Mark für Sportzwecke.
Inflationistische Wirtschaftsverhältnisse
Den Zeitumständen nach wurde das 40. Stiftungsfest in bescheidenen
Grenzen gehalten. Nur der Patenverein aus Neumarkt erhielt eine
Einladung
und schickte eine kleine Abordnung. Den Gottesdienst zelebrierte H. H.
Franz Dorr, der als Kaplan bereits in Allersberg tätig war. Seiner
Freizügigkeit ist es zuzuschreiben, dass der Verein ein gut
erhaltenes
Piano erhält und die Jugendmannschaft die nötige
Ausrüstung
für den Fußballsport. Im Januar 1923 erhält die
Gesangsabteilung
eine neue Leitung. Josef Igl übernimmt mit viel Eifer, Geschick
und
Geduld diesen verantwortungsvollen Posten. Die inflationistischen
Wirtschaftsverhältnisse
machen sich auch in der Beitragserhöhung bemerkbar. Am 11. Februar
1923 wurde der Beitrag für die aktiven Mitglieder auf 20 Mark und
für die Ehrenmitglieder auf 10 Mark erhöht.
Interessant ist die Rechnungslegung in der Generalversammlung am 17.
Februar 1924. Den Einnahmen in Höhe von 72 692 226 551 561,20 Mark
stehen Ausgaben in Höhe von 25 908 553 523 135,00 Mark
gegenüber.
Unterschreiben ist diese zahlenüberschwengliche Abrechnung von
Vizepräses
Kaplan Leinfelder.
Hausbauverein kauft angrenzendes Wohnhaus
Zwei Mitglieder der Turnerriege werden am 29. Mai 1925 zu einem
Vorturnkurs
geschickt und zur Beschaffung eines eisernen Recks wird eine Sammlung
veranlasst.
Wie jeder bisherige Präses wird am 1. August 1926 Pfarrer Pius
Wagner
feierlich in sein Amt eingeführt, gleichzeitig Vizepräses
Georg
Peter, der nach Brasilien gehen will, ein herzlicher Abschied bereitet.
Eine lange Kette von Briefen zeigt seine enge Verbundenheit zu den
Allersberger
Gesellen.
Das Jahr 1926 bringt einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte
unseren Vereinshauses. Nach langwierigen Verhandlungen wird am 6.
September
1926 zwecks geplanter Erweiterung ein Kaufvertrag unterzeichnet.
Verkäufer
sind Max und Alois Rumer, die das Wohnhaus Nr. 70 mit Hofraum und
Gärtchen
an den Hausbauverein verkauften. Im Jahr 1927 entsteht der Plan, das
Vereinshaus
zu erweitern, da immer wieder geklagt wird, der Platz reiche vor allem
bei Theateraufführungen nicht aus. Lange Verhandlungen und viele
Briefe
helfen nicht zum Ziele. Präses Wagner wird jedoch des Schreibens
müde,
aber es vergehen Jahre.
Gründung der DJK ( www.djk-allersberg.de
)
Am 28. Juli 1928 konnte eine dem Verein eng angeschlossene Jugendkraft
(DJK) zur besonderen Pflege des Sports und Fußballspiels
gegründet
werden. Bei einer Monatsversammlung feiern die Gesellen am 2. Dezember
1928 das 30jährige Bestehen des Vereinshauses und am 10. Januar
1929
wird ein Zipfelhaubenclub gegründet. Zweck: „gemütliches
Beisammensein
einmal in der Woche“. Schwere Klagen werden in den Jahren 1929/1930
laut:
„Besuch von Seiten der Gesellen sehr mager“ – „Über die
Hälfte
der Aktiven fehlte“ – „Es will gar nichts mehr recht gehen“.
Gesellenverein wird Eigentümer des
Vereinshauses
Das Jahr 1931 bringt wiederum wichtige Stationen in der
Vereinsgeschichte.
Der Gesellenverein soll als „e.V.“ gerichtlich eingetragen werden. Die
Statuten wurden neu gesichtet und gedruckt. Die berichtigte Satzung
trägt
Unterschrift und Siegel des Amtsgerichts Hilpoltstein vom 18. März
1931.
Der Hausbauverein biete an: „Das Vereinshaus oll notariell gegen
Übernahme
der darauf ruhenden Lasten und Hypothekenschulden dem Gesellenverein
zugeschrieben
werden.“ Das Protokoll der außerordentlichen Generalversammlung
des
Hausbauvereins vom 22. Februar 1931 bestimmt: „Das Vereinshaus mit den
dazugehörigen Nebengebäuden, Grund und Boden soll dem
Gesellenverein
überlassen werden. Nach § 1 der bisherigen Satzung des
Hausbauvereins
soll das Haus auch weiterhin allen katholischen Vereinen als
Vereinsheim
dienen, jedoch hat der Gesellenverein das Vorrecht. Der obige Verein
wird
aus dem Vereinsregister gestrichen.“
Restaurierung des Hauses
Das Haus wird nun nach einem Plan von Architekt Haindl aus München
noch vor dem 50. Stiftungsfest erweitert und die Bühne neu
gestaltet.
Nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten erfolgt bereits am 12.
September
1931 die Einweihung. In Dankbarkeit wurden hier Pfarrer Willibald
Strobl
aus Wolferstadt und Alumnus Johann Begner erwähnt. Beide haben mit
geschickter Hand den Bühnenbau zur vollsten Zufriedenheit
durchgeführt.
50jähriges Stiftungsfest
Mit ungeheurer peinlicher Kleinarbeit bereitet Präses Pius Wagner
das goldene Stiftungsjubiläum am 3. Julie 1932 vor. Ein
Festgeschenk
des Präses ist das Kolpingsbanner. Der glänzende Verlauf des
Fests, das unter dem Motto „Mit uns zieht die neue Zeit“ stand,
krönte
die Mühe sämtlicher Beteiligten.
1932 – 1957
Verbot der DJK – Wirtschaftsbetrieb wird eingestellt – Gesellenhaus
an Marktgemeinde abgegeben – Zweiter Weltkrieg – Neuer Aufbau in
Freiheit
– Präses Alois Fetsch zum Ehrenpräses ernannt –
Wiedergründung
der DJK – 75. Stiftungsjubiläum.
Und nun geht die Chronik der Kampfzeit des Dritten Reiches entgegen. Pfarrer Willibald Strobl aus Wolferstant kündigt ein seinem Absageschreiben vom 4. Juni 1932 zum 50. Stiftungsfest bereits diese harte Zeiten an: „Denn schau, die ganze Stimmung, in der man sich jetzt befindet, ist wirklich nicht so, dass man gerne an so Festlichkeiten teilnimmt, wie Vereinsjubiläum u.d.gl. Im Juli werden die Wahlen sein zum Reichstag. Dass diesmal noch eine richtige Hetzt einsetzt, ist voraus zu sehen. Und was kommt nach den Wahlen? Das kann sich jeder denken, der die Redensart vom Sturze des „Systems“ durchschaut hat. Mein Lieber, die Zukunft wird für uns schlimm. Ich wäre in der zweiten Hälfte des Juli nach dort gekommen, ob das nach den Wahlen noch notwendig ist, weiß ich nicht. Denn dass die Hitler mit unseren kath. Vereinen aufräumen, ist so sicher, wie 2 x 2 4 ist. Du wirst sagen: Pessimist. Gäbe Gott, ich schaute diesmal zu schwarz. Also waren wir die Zukunft ab.“
Deutscher Gesellentag in München
Der kath. Gesellenverein, der im März 1933 nun in Kolpingfamilie
umbenannt wurden, erfuhr nun immer mehr Beschränkung und
Unterdrückung.
Der Nationalsozialismus betrachtete alle nicht gleich gesinnten Vereine
als Gegner. Vom 8. – 11. Juni 1933 findet in München der Deutsche
Gesellenstag statt. Für alle teilnehmenden Kolpingfamilien
unvergessliche
Tage! Der Gesellentag, der unter dem Leitwort „Gott und Volk – Volk und
Stand – Stand und Staat“ steht, wird von den Nationalsozialisten brutal
gesprengt. Kolpingsöhne werden bedroht und geschlagen. Kaplan
Hutterer
und Hans Beck mussten die Erlebnisse in der Schutzhaft überdenken.
Die Verfolgungszeiten der Nationalsozialisten brachte die
Kolpingfamilien
und das gesamte katholische Vereinswesen in große
Bedrängnis.
Am 5. Oktober 1933 werden von der politischen Polizei
Theateraufführungen
der Kolpingfamilie verboten. Präses Pius Wagner verlässt
Allersberg
und sein Nachfolger Pfarrer Josef Klebl erlebt in Allersberg die
schwere
Hitlerära. Goldene Treue hielt damals, wie der Chronist berichtet,
die DJK, bis sie am 26. Mai 1934 verboten wird.
Das schreckliche Jahr 1934
In der „Fränkischen Tageszeitung“ vom 5. April 1934 war zu lesen
gewesen: „Kaplan Lorenz – Allersberg, ein Feind der
Nationalsozialistischen
Jugenderziehung“. Sprechchöre lärmten: „das Deutsche
Allersberg
will einen Priester, keinen Hetzkaplan.“. Beim Sonnwendfeuer am 23.
Juni
1934 wird von der Hitlerjugend ein DJK-Wimpel mit Christuszeichen
verbrannt.
Kaplan Lorenz werden am 30. Juni und 13. Juli 1934 von verhetzten
Bubenhänden
die Fensterscheiben zertrümmert.
Trotz amtlichen Widerspruchs des NS Bezirksamtes Hilpoltstein, welches
die staatsaufsichtliche Genehmigung nun nicht erteilt hatte (langer
Schwebezustand),
überlässt die Kolpingfamilie am 11. Juni 1934 das Vereinshaus
durch Schenkung der kath. Kirchenstiftung (Einheitswert 4 900 RM). Am
22.
November 1934 wird Kaplan Lorenz nach Ingolstadt versetzt. Er
verabschiedet
sich mit dem Schlusssatz: „Allersberg, du bleibst mir unvergessen.“
Wirtschaftsbetrieb wird eingestellt
Wie ein Hohn auf diese Zeit, werden ab 29. Juni 11935 die
Geschäftleute
gezwungen, der DAF (=Deutschen Arbeitsfront) beizutreten. Damit
müssen
sie aus der Kolpingfamilie ausscheiden, denn Doppelmitgliedschaft ist
verboten.
Am 12. Mai 1936 erreicht der Verein vom Bezirksamt die Nachricht,
dass der Wirtschaftsbetrieb ab sofort einzustellen ist. Die alten
Getreuen
scheiden am 14. Mai 1936 mit einem wehmutsvollen Lied aus ihrem zweiten
Vaterhaus. Man sang mit trauernden Lippen: „So leb denn wohl, du
stilles
Haus, wird ziehen betrübt von dir hinaus.“. Vereinslokal wurde nun
ein Nebenzimmer der Gastwirtschaft Schroll.
Abtretung des Gesellenhauses an die Marktgemeinde
Zu einer Generalversammlung am 19. März 1937 hatten es von 78
geladenen Mitgliedern lediglich 8 Aktive und 27 Altmitglieder gewagt,
zu
kommen. In dieser Generalversammlung wird die Abtretung des
Gesellenhauses
gegen Überlassung des Schwesternhauses genehmigt. Es dauerte
jedoch
bis zum 20. März 1939, bis die notarielle Beurkundung des Tausches
vorgenommen wurde.
Im zweiten Weltkrieg standen viele Kolpingsöhne unter Waffen und
bald löste eine traurige Verlustmeldung die andre ab. Schrecken
und
Grauen, Elend und Not, Ruinen und Trümmer, Heimatlosigkeit und Tod
ringsum. Am 19. März 1942 wurde der Josefstag besonders begangen.
Am Morgen Gemeinschaftsmesse für die gefallenen Kolpingsöhne
und am Abend Generalversammlung im Pfarrzimmer des Benefiziatenhauses.
Präses erklärte, dass bereits seit 1. Juli 1939 keine
Beiträge
mehr erhoben wurden. Nun müsste wieder ein Jahresbeitrag von 1,00
RM erhoben werden, schon deswegen, damit für die gefallenen
Kolpingsöhne
Gottesdienste gehalten werden. Das Toben des Krieges ist verklungen,
der
Rauch der Trümmer ist verzogen. Die Feinde des Christentums und
damit
die Feinde der Kolpingfamilie sind gewesen.
Zurückgabe des Gesellenhauses
Nach harten und grausamen Kriegsjahren wird mit enormer Tatkraft,
Hingebung
und Opferbereitschaft die Zwangsjacke des Hitlerregimes abgestreift. Am
17. Februar 1946 kamen zu einer Generalversammlung bereits 65
Mitglieder.
Ein einstimmiger Marktgemeinderatsbeschluss vom 4. Juni 1946 brachte
dann
wieder einmal ein großes Ereignis für den Verein. Das
Gesellenhaus
wird an die katholische Kirchenstiftung zurückgegeben im
Tauschwege
gegen 1,3114 ha Wiesen und folgende Auflage: Die Kirchenstiftung
verpflichtet
sich, das Haus der Kolpingfamilie zur unentgeltlichen Benutzung zu
überlassen.
Ebenso können die übrigen katholischen Vereine und
Organisationen
die Räume unentgeltlich benutzen. Die Kolpingfamilie
übernimmt
die öffentlichen Lasten und die volle Baulast. Der Tausch wird am
22. August 1946 notariell beurkundet.
Das Haus war in einem üblen Zustand durch Kriegseinwirkung und
Benutzung als SA und HJ-Heim. Im Jahre 1947 macht sich Vizepräses
Peter Köferler rastlos und ruhelos daran, das Vereinshaus wieder
instand
zusetzen. Unter großem Einsatz und erheblichen Opfern der
Mitglieder,
wobei die Ziegel zum Teil bis aus Ingolstadt angeschafft wurden, waren
die größten Schäden bald behoben.
Präses Klebl und Fetsch zum Ehrenpräses
ernannt
In einer Generalversammlung am 19. März 1947 wird die Sportgruppe
„Eintracht“ gegründet und Präses Josef Klebl verabschiedet
sich
nach 14jähriger Amtszeit. Die Kolpingfamilie dankt ihm das kluge
Verhalten
in dieser schweren Zeit durch die Ernennung zum Ehrenpräses. Einen
unvergesslichen Nahmen machte sich auch Vizepräses Peter
Köferler,
der von 1941 bis 1949 in Allersberg tätig war.
In der Generalversammlung vom 29. Januar 1950 wird der aus russischer
Gefangenschaft heimgekehrte Benefiziat Julius Hopfner zum
Vizepräses
ernannt. Präses Alois Fetsch sorgt für den Nachwuchs und
gründet
die Pfadfinderschaft St. Georg, eine Lösung, die von manchem nicht
versanden wird. Im Frühjahr 1952 wird der Nachwuchs anders
geregelt
und eine Gruppe „Jungkolping“ ins Leben gerufen.
Zum 70. Stiftungsfest am 6. Juli 1952 kann die erneuerte Kegelbahn
präsentiert werden. Präses Alois Fetsch wird nach
sechsjähriger
Amtszeit am 1. Februar 1953 feierlich verabschiedet. Altsenior Karl
Blank
händigt ihm eine Urkunde über die Ernennung zum
Ehrenpräses
aus. Seinen Nachfolger Franz Xaver Scherb erwarten bei seiner
Amtsübernahme
am Palmsonntag des Jahres 1953 viele ungelöste Probleme. Kaplan
Hans
Thoma übernimmt am 8. Dezember 1953 den Posten seines
Vorgängers
Julius Hopfner.
Wiedergründung der DJK
Das bedeutsamste Ereignis des Jahres 1955 war die am 12. Juni 1955
erfolgte Wiedergründung der 1934 verbotenen DJK, die in enger
Verbindung
mit der Kolpingfamilie der Jugend die Möglichkeit gibt, in einem
christlichen,
nach kirchlichen Grundsätzen ausgerichteten Sportverband sich zu
betätigen.
75jähriges Stiftungsfest
Eine wirklich erhebende Festfeier war das 75. Stiftungsfest mit
Fahnenweihe
am 29./30 Juni 1957. Bei der Festversammlung am Samstag sprachen neben
Josef Klebl noch mehrere frühere Präsides. Hauptredner war
Diplom-Psychologe
A. Wurm aus München zum Thema „Kolpings Ruf und Hilfe für
unsere
moderne Zeit“. Hauptpunkte am zweiten Tag waren Festgottesdienst mit
Fahnenweihe,
Festzug und anschließender Großkundgebung durch Dr .
Richard
Jäger, Vizepräsident des Deutschen Bundestages. Die
Festpredigt
hielt der damalige Domkapitular Dr. Brems.
Die neu geweihte Fahne kündet den Kolpingsöhnen in ihrer Bildersprache eine dreifache Parole:
VORWÄRTS! Nach dem Ideal und Geist Adolf Kolpings. Darum steht auf der in schwarz-orange gehaltenen Fahne die Devise: „Religion und Tugend, Arbeitsamtkeit und Fleiß, Frohsinn und Scherz, Eintracht und Leibe“.
HEIMWÄRTS! Mit der alten Pfarrkirche von Allersberg zeigt die Fahne ein schönes Bild von unserem Heimatort. Somit ruft die Fahne den Kolpingsöhnen zu: Bleib treu Deiner Heimat, der Heimat des Elternhauses, der Heimat Deiner Pfarrkirche und Pfarrgemeinde. Der Heimat Deines Vaterlandes!
AUFWÄRTS! Die Fahne schmückt das Bild der Madonna von Allersberg mit ihrem göttlichen Sohn auf dem Arm. „Sursum corda – aufwärts die Herze zur ewigen Heimat“ ist der Gottesmutter Ruf.
1957 – 1982
Karl Blank zum Ehrensenior ernannt –Verkauf des alten Vereinshausses – Umbau des alten Spital zum neuen Kolpinghaus – Kolping-Ehrenbrief für Ludwig Frisch
In den Jahren 1957/58 wurde das Gesellenhaus erneut in einem
größeren
Rahmen umgebaut. Die Kegelbahn musste für ein Nebenzimmer und eine
neue Küche Platz machen. Das neu geschaffene Nebenzimmer diente
schließlich
lange Jahre als Vereinszimmer der Musikkapelle Allersberg.
Einen herzlichen Abschied bereitete im Jahre 1962 die gesamte
Pfarrgemeinde
Präses Franz Scherb, der als Dompfarrer nach Eichstätt
versetzt wird. Sein Nachfolger wurde Pfarrer Albert Geitner. Eines der
ersten Tätigkeiten des neuen Präses war der Neueinbau einer
Ölheizung
im Vereinsheim.
Fast tausend Zuschauer aus Allersberg und Umgebung besuchten im Jahre
1966 die vier Vorstellungen des Lourdes-Spiels „Das Lied der
Bernadette“
unter der Regie von Vizepräses Johannes Schmidt.
Mit zahlreichen Ehrengästen, unter ihnen zahlreiche ehemalige Präsides des Vereins, feierte man am 16. Juli 1967 das 85. Stiftungsfest. Die Festpredigt hielt der ehemalige Präses, Dompfarrer Franz Scherb aus Eichstätt. Mit einem Blick in die Vergangenheit gab er richtungsweisende Worte für die Zukunft.
Ein Jahr später, beim Gedenktag am 8. Dezember hielt Altsenior
Karl Blank einen Äußerst interessanten Rückblick
über
die 70jährige Geschichte des Vereinshauses.
In dieser Zeit ist ein häufiger Wechsel bei den Senioren
festzustellen.
Immer wieder debattierte man darüber, ob man vom bisherigen
Brauch,
nur ledige Kolpingsöhne aus der Aktivas mit Senioren besetzen
soll,
oder eben auch jüngere verheiratete Mitglieder zu Wahl zulassen
sollte.
Neuer Altsenior
In der Generalversammlung vom 19. Februar 1970 erhielt die Gruppe
Altkolping
einen neuen Altsenior. Nachfolger für den aus Altersgründen
ausscheidenden
Karl Blank wurde Hans Bauer.
Karl Blank zum Ehrenaltsenior ernannt
Am Joseftag des Jahres 1920 erfährt der bisherige Altsenior Karl
Blank die höchste Ehre, die ein Kolpingverein zu vergeben hat,
nämlich
die feierliche Ernennung zum Ehrenaltsenior.
Wie Vizepräses Jakob Meyer betonte, habe Blank in
unermüdlichem
Einsatz auch in schweren Jahren die Geschicke des Vereins geleitet. Er
wird daher stets ein Vorbild in den Reihen der Kolpingsöhne sein.
Gleichzeitig überbrachte er die herzlichsten Glückwünsch
des schwer erkrankten Präses Geitner und vom
Diözesanpräses
Wilhelm Reitzer.
Der Vizepräses überreichte dem Ehrenaltsenior eine
künstlerisch
gestaltete Urkunde und einen Geschenkkorb. Auch der Vorsitzende der
DJK,
Hans Schöll, würdigte die Verdienste von Karl Blank und
überreichte
ebenfalls eine Ehrenurkunde und einen Geschenkkorb.
Karl Blank schilderte schließlich die bewegte Geschichte der
Allersberger Kolpingfamilie, an deren Spitze er über 20 Jahre
stand.
107 Mitglieder begleitete er seit 1913 als Fahnenträger zur
letzten
Ruhestätte, während er in den letzten zwanzig Jahren 67
Mitglieder
in die Gruppe Altkolping aufnehmen konnte.
Neuer Wahlmodus für Vorstandschaft
Ab 19. März 1972 gibt es im Verein keine Senioren bzw. Altsenioren
mehr. Die Vorstandschaft setzt sich nun aus dem Vorsitzenden, dem
Präses,
den Leitern der einzelnen Gruppen, Schriftführer, Kassier und den
Beisitzern zusammen. Als bisherige Altsenioren und Senioren konnten
folgende
Mitglieder ermittelt werden: Karl Hirscheider, Karl Blank, Hans Bauer
(Altsenioren),
Johann Meyer, Josef Gerner, Ludwig Frisch, Xaver Gerner, Otto Herzog,
Georg
Kraußer, Johann Heitner, Richard Heim, Ludwig Gmelch, Robert
Gerner,
Gerhard Pieknik, Ludwig Kratzer, Erhard Faber, Reinholf Mücke,
Peter
Obermayer, Karl Mierlein, Siegfried Mücke (Senioren).
In würdiger Form feierte man am 9. Juli 1972 das 90. Stiftungsfest. Zahlreiche ehemaligen Präses waren zu dieser Feier nach Allersberg gekommen. Den Festgottesdienst zelebrierte Dekan Markus Harrer aus Feucht. Dieses Stiftungsfest musste man ohne Präses feiern. Präses Albert Geitner verstarb kurz vor dem Fest und fand seine letzte Ruhe im Allersberger Friedhof.
Bei der Kolpinggedenkfeier am 11. Dezember 1972 wird Pfarrer Josef Hobl neuer Präses der Kolpingfamilie. In seiner Einführungsrede sprach der neue Präses auch das Kolpinghaus an. So soll es nach vorliegenden Plänen durch ein neues Pfarrzentrum am Marktplatz ersetzt werden. Dieses neue Pfarrzentrumsprojekt lässt alten Streit um das Kolpinghaus wieder aufflackern. Miteigentum wird gefordert. Harte Attacken der Kolpingfamilie gegen die Kirchenstiftung sind die Folge. Immer wieder wurde deutlich, wie eng die Kolpingfamilie mit ihrem Vereinshaus verbunden ist und nur unter präzisen Bedingungen dem neuen Projekt zustimmt.
Bei der Generalversammlung am 22. März 1976 löst Johann Heitner den bisherigen Vorsitzenden Hans Bauer ab.
Abschied vom Vereinshaus
In einer außerordentlichen Generalversammlung am 1. Februar 1976
stimmten die Mitglieder dem Verkauf des bisherigen Vereinshauses durch
die Kirchenstiftung zu. Eigentum oder Miteigentum der Kolpingfamilie am
neuen Pfarrzentrum scheiterten an der Größe des Projektes
und
der zu großen finanziellen Belastung für die Kolpingfamilie.
Dafür wurden ihr besondere Rechte eingeräumt. Zum letzten Mal
trafen sich die Mitglieder am 30. Januar 1977 am alten Vereinshaus zum
Kirchenzug anlässlich der Einweihung des neuen Vereinshauses. Das
alte Vereinhaus hatte folgende Wirtsleute: Lindner (1898 – 1933),
Schraufstetter/Meyer
(1.1.1955 – 30.9.1976), Matthias und Christa Schneider (1.10.1976 –
30.1.1977).
In der ersten Generalversammlung im neuen Kolpinghaus gab es für das Mitglied Ludwig Frisch eine besondere Ehrung. Als Baumeister bei der Umgestaltung des alten Spitals in ein neues Kolpingshaus erhielt er den Ehrenbrief als besonderen Dank und Anerkennung.
Möge die Kolpingfamilie Allersberg auch in Zukunft erfolgreich im Geiste ihres Gründers weiter arbeiten können.
DAS NEUE KOLINGHAUS
Das alte Spital
Am hl. Kreuztag des Jahres 1339 wurde durch die Herren Leopold und
Albrecht von Wolfstein für „arme und preßhafte Personen“
eine
Hospitalstiftung in Allersberg errichtet. In den Jahren 1736 – 1738
wurde
nach den Plänen des Hofbaumeisters Buchtler an dieser Stelle das
jetzige
Gebäude erbaut. Nach dem Neubau eines modernen Altenheimes im
Jahre
1972 stand das „alte Spital“ leer und wurde von der katholischen
Kirchenstiftung
Allersberg erworben., die es im Jahre 1976 zum neuen Kolpinghaus
umgebaut
und erweitert hat.
Das alte Kolpinghaus
Das alte Kolpinghaus stand an der Kolpingstraße und hatte ein
wechselhaftes Schicksal hinter sich. Im Jahre 1898 als Gesellenhaus
erbaut,
nach 1933 in der Zeit des Nationalsozialismus geschlossen, daraufhin
von
der Kirchenstiftung eingetauscht gegen ein andrees Gebäude, nach
dem
2. Weltkrieg von der Marktgemeinde wieder zurückgegeben, stand es
dann 30 Jahre der Kolpingfamilie und der katholischen Pfarrgemeinde zur
Verfügung. Das Anwachsen der Bevölkerung der Gemeinde
Allersberg
auf 7000 Einwohner ließ schon lange das Kolpinghaus als zu klein
erscheinen; allzu oft war der Saal gedrückt voll, es gab nicht
genügend
Nebenräume, vor allem für die Jugend. Da ergab sich eine
günstige
Gelegenheit, als das alte Spital neben der Pfarrkirche zum Verkauf
anstand.
Pfarrer Hobl, der 1972 gerade nach Allersberg kam, ergriff mit
Zustimmung
des Pfarrgemeinderates und der Kirchenstiftung die Initiative zum
Erwerb
dieses Hauses, um daraus das neue Kolpinghaus zu machen, das auch
Mittelpunkt
einer lebendigen Pfarrgemeinde werden sollte. Es gab zwar auch
Auseinandersetzungen
im Kolpingverein über die Notwendigkeit eines neuen Hauses –
verständlich-,
denn viele alte Mitglieder hingen an „ihrem Kolpinghaus“, das sie nach
dem Kriege unter vielen Opfern wieder hergerichtet hatten. Nach vielen
Sitzungen und Versammlungen wurde das Problem zur allgemeinen
Zufriedenheit
gelöst und die Zustimmung zum Verkauf des alten Kolpinghauses und
zur Verwendung des Geldes beim Umbau des alten Spitales zum neuen
Kolpinghaus
gegeben, wobei den Kolpingsöhnen im neuen Haus bestimmte Rechte
eingeräumt
wurden.
Das neue Kolpinghaus
Aber es sollte noch einige Zeit vergehen, nachdem gerade eine
Finanzkrise
der Bundesrepublik in Haus stand und erst 1976 am 19. Januar, mitten im
Winter, konnten die Arbeiten beginnen.
Die Architekten Erich Fichtner aus Roth und Hans Frederich vom
Landesamt
für Denkmalpflege fertigten die Pläne, als Baumeister
fungierte
Herr Ludwig Frisch, ein Allersberger Kolpingsohn, dessen
unermüdliche
Sorge für das Gelingen des Hauses ausschlaggebend war.
Nun wimmelte es manchmal von Arbeitern im Hause, Wände fielen,
Böden wurden aufgerissen, Riesenlöcher entstanden, wüst
sah es aus im Haus. Aber der Zähigkeit des damaligen
Präses
Josef Hobl war es zu verdanken, dass binnen Jahresfrist ein Haus
entstand,
das sich sehen lassen kann: ein großer Saal für 300 – 500
Personen,
einige Wirtschafträume, eine große Küche, ein
Filmzimmer
als kleiner Versammlungsraum, ein schönes Kolpingzimmer,
Räume
für die Jugend, Zimmer für kleine Feiern.
Die alten Gewölbe im Parterre blieben erhalten und schaffen
Gemütlichkeit.
Am 30. Januar 1977 konnte zur Freude der ganzen Pfarrei das Haus
eingeweiht
werden durch den damaligen Diözesanpräses Reitzer, dessen
Einsatz
für das Haus ebenfalls zu rühmen ist.
Mittelpunkt der Pfarrei
Seitdem treffen sich größere und kleinere Gruppen und Kreise
in diesen schönen Räumen, Jugendarbeit kann geschehen, viele
Allersberger und auswärtige Gäste finden sich ein zum Essen
oder
Feiern, vor allem viele Hochzeitsfeiern werden abgehalten. Das Haus
wurde
für die ganze Pfarrei ein Mittelpunkt.
Es war nicht leicht für die Pächterfamilie Schneider, die
ersten Jahre im Gasthof „Altes Spital“ mit seinem Riesenbetrieb
durchzustehen
und zugleich die Sorge für das ganze Haus zu übernehmen.
Mittlerweile
sind 5 Jahre vergangen und der guten Zusammenarbeit zwischen der
Pächterfamilie,
der Kolpingfamilie und dem Pfarramt ist es zu verdanken, dass das neue
Kolpinghaus blüht und gedeiht.. Möge es weiter so bleiben!
Alte Theatertradition
Frohsinn und Scherz durften natürlich auch in einem katholischen
Gesellenverein nicht vergessen werden. Während der vergangenen
Jahre
zeigte der Verein immer wieder sein edles Wollen und Mühen im
Spiel
und Theater.
Die ersten Theateraufführungen waren an den Fastnachtsamstagen
des Jahres 1884, also bereits zwei Jahre nach der Gründung.
Weitere
Aufführungen verzeichnet der Chronist in den Jahren 1885 (2) 1887
(3), 1888 (2), 1889 (1) und im Jahre 1901 wurden nicht weniger als 13
Stücke
gespielt. Es vergeht kaum ein Jahr, in dem nicht eine
Theateraufführung
vermerkt ist.
Auch könnten einige interessante Vorstandschaftsbeschlüsse
gefunden werden. Laut Beschluss vom 2. Juni 1912 werden
Theaterkostüme
weder an Vereine noch an private Personen mehr ausgeliehen. Als
Grundlage
für diesen Beschluss wird angegeben: „durch Schaden wird man
klug“.
Der nächste Vorstandschaftsbeschluss betreffend Theater stammt vom
14. März 1920. Im Gefühl des nötigen
Gemeinschaftsbewusstseins
dürfen Mitglieder des Gesellenvereins nur mit Genehmigung des
Präses
bei anderen Vereinen Theater spielen. In dieser Zeit wurde auch eine
eigene
Theaterbücherei angelegt.
Ein schwerer Schlag ereilt den Verein am 5. Oktober 1933, als die
Bayerische
politische Polizei ab sofort weiter Theateraufführungen des
katholischen
Gesellenvereins verbietet. Es dauert bis zum 21. Dezember 1947, bis die
Theatertradition des Vereins wieder fortgesetzt wird.
Alle gaben bisher ihr Bestes, seine es die altbewährten oder die
jungen Laienspieler, aber auch jene, die nicht im Licht der
Scheinwerfer
standen.